Architektur und Stadtgeschichte - Neue Haut für alten Turm

Warendorf - Die katholische Pfarrkirche Sankt Marien ist die jüngere der beiden Altstadtpfarrkirchen von Warendorf. Der Turm wird auf die Zeit um 1200 datiert und soll bereits zu einer älteren Marienkirche gehört haben. Später schloss sich daran eine einschiffige dreijochige romanische Kirche mit eingezogenem Rechteckchor an. Jetzt wird der St.-Marien-Turm saniert.

Die Gerüstbauer haben noch einen weiten Weg nach oben vor sich. Foto: Peter Sauer

Um 1200 erbaut, ist der imposante Kirchturm an der Marienkirche eines der ältestens Gebäude in der Stadt. 1870 wurde er auf die jetzigen 56 Meter erhöht und mit vier neugotischen Ecktürmchen versehen. Dabei errichtete man auch einen spitzen Turmhelm. 1882 wurde das Innere neugotisch verändert, 1927 der Turmhelm durch eine flache Pyramide ersetzt.

Wenn der St.-Marien-Turm reden könnte, würde er so einiges aus seinem Leben erzählen, nicht nur von kriegerischen Heimsuchungen, sondern auch von unzähligen Wetterkapriolen wie Sturm, Eis und Schnee. Da „frisst“ sich manch extreme Wetterlage durchs historische Gestein. Und das bleibt nicht ohne Folgen.

Seit Mittwoch wird der Turm eingerüstet, um ihn zu sanieren. Aus aktuellem Grund: Im Winter 2016/17 wurde festgestellt, dass von der westlichen Fassade des Turms einige Mörtel- und Steinstücke auf die darunter liegende Straße herabgefallen waren. Die umgehende Fassadenbefahrung mittels Hubsteiger brachte es ans Licht: Mörtelfugen an den Sandsteinblöcken der Turmkrone sind schadhaft und lösen sich aus dem Gefüge.

Insbesondere wurden im Natursteinfeld an der Westfassade massive Abplatzungen festgestellt. Die dort verbauten Steine weisen tiefe Risse auf, so dass starke Witterungseinflüsse mit Frosteinwirkung zu Abplatzungen führen. Damit künftig keine Stein- oder Mörtelstücke mehr vom Turm fallen, läuft jetzt die Sanierung, auf die sich neben Kreisdechant Peter Lenfers auch Manfred Fohgrub aus dem Kirchenvorstand freut. „Eigentlich sollte es schon Ende Oktober losgehen. Es gab ein paar Verzögerung bei der beauftragten Firma.“

Den Zeitraum der Sanierung schätzt er auf sechs Monate. Derzeit errichten Gerüstbauer aus Gütersloh die Arbeitsflächen der Sanierer rund um den Turm. Das Material bringen sie mit einem Lastenaufzug in die Höhe. bauen die Gerüstgänge mit verbindenden Treppen immer weiter nach oben Richtung Zinnen.

Außer Natursteinarbeiten an den Fassaden seien Zimmerer- und Holzarbeiten, Dachdecker- und Tischlerarbeiten sowie Reparaturen an der Läuteanlage erforderlich, erklärt der Kirchenvorstand St. Laurentius. „All diese unumgänglichen Maßnahmen werden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege sowie mit der Bauabteilung des Bischöflichen Generalvikariates durchgeführt.“

Für die Arbeiten werden Kosten von 547 000 Euro veranschlagt. Das Bistum übernimmt davon 517 000 Euro. Den Restbetrag in Höhe von 30 000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst aufbringen – aus Rücklagen, Spenden und Kollekten.