Offene Kirchen mit Impulsen zu Maria

Warendorf (ap) - Unter dem Leitgedanken „Maria: Ich sehe dich in tausend Bildern“ stand die Reihe „Kirche offen erleben“ am Montagabend zum Auftakt der Mariä-Himmelfahrt-Festwoche. Anders als in den Vorjahren war die Veranstaltung dieses Mal ökumenisch ausgerichtet.

Der Iraker Qasim Murad, der evangelische Pfarrer Cornelius Bury und der Iraner Ayub (v. l.) begleiteten das Publikum von der Marien- zur Christuskirche. Bild: Poschmann

Am Montagabend öffneten die katholische Marienkirche und die evangelische Christuskirche ihre Türen für ein außergewöhnliches Erlebnis. Im Mittelpunkt standen biblische Mariengeschichten, die überwiegend als belegt gelten. Wie in den vergangenen Jahren gab es auch jetzt die Möglichkeit für die Besucher, einen persönlichen Beitrag zu leisten.

 

 

Thematisiert wurden unter anderem die Geburt Jesu, die Hochzeit zu Kana, Flucht und Vertreibung der Heiligen Familie und – diese Bibelstelle ist nicht belegt – die Himmelfahrt Mariens. An neun Stationen waren die Besucher eingeladen, sich durch die sowohl kreativen wie sinnlich-meditativen Exponate inspirieren zu lassen und eine Brücke in die heutige Zeit zu schlagen.

Den Lobgesang Marias hatte Stefan Lutterbeck künstlerisch in eine Stele umgesetzt, die vor der Christuskirche aufgebaut war. Besucher konnten zu über Kopfhörer eingespielter Musik diese Darbietung meditativ auf sich wirken lassen. Ebenfalls war dort die Weihnachtsgeschichte zu sehen. Dass Kirche an diesem Abend „in Bewegung“ war, spürten die Teilnehmer aber vor allem auf dem Fußweg zwischen beiden Gotteshäusern.

Fluchtgeschichten lösen Betroffenheit aus

Ein besonders nahegehendes Erlebnis waren die „Spaziergänge“ von der Marien- zur Christuskirche. Begleitet wurden die Besucher dabei von Flüchtlingen, die während des Gangs ihre Geschichte erzählten. Ingrid Aebert schilderte ihre Flucht während des Zweiten Weltkriegs. Qasim Murad aus dem Irak und Ayoub aus dem Iran, beide seit zwei Jahren in Deutschland, berichteten von ihrem Weg. „Ich bin Tag und Nacht bei 47 Grad Celsius gewandert. Ich hatte nichts zu essen und nichts zu trinken dabei“, sagte Qasim. In Bulgarien sei er verhaftet worden, nach zwölf Tagen im Gefängnis habe er weiterziehen können und sei schließlich in Deutschland angekommen. Hier wollten ihn die Behörden gleich wieder nach Bulgarien abschieben. „Das war für mich undenkbar. In Bulgarien gab es nichts zu essen.“ Qasim wurde Kirchenasyl gewährt. „Ich wurde als Moslem geboren, meine Familie wandte sich jedoch dem christlichen Glauben zu“, sagte Ayub. Als Protestant sei er im Iran in der Minderheit und nicht erwünscht. „Als Christ kann man nicht in einem islamischen Land leben.“ Allerdings auf legalem Weg habe er sein Land auch nicht verlassen können. „Ich bin froh, dass ich in Deutschland meinen Glauben leben darf“, sagte er an dem Abend der „offenen Kirchen“.