Orgelführung für Kinder - Wenn die Pfeifen leise röcheln

Warendorf - Aus Anlass des am Sonntag bundesweit begangenen Orgeltages hat Kirchenmusiker Bernhard Ratermann am Freitag eine Orgelführung speziell für Kinder im Kindergartenalter angeboten.

Die kleine Svea fand großes Vergnügen daran, gemeinsam mit Kantor Bernhard Ratermann die Register der Orgel in der Laurentiuskirche zu steuern und auf diese Weise einen fast orchestralen Klang zu erzeugen. Foto: Joke Brocker

Beim Anblick des Spieltisches der Orgel von St. Laurentius fühlten sich die 23 Kinder aus dem Kindergarten St. Laurentius, die gestern Morgen auf der Orgelempore in der Kirche zu Gast waren, sogleich an ihre Erzieherin Swetlana Bodnar und deren Klavier erinnert. Als aber Kirchenmusiker Bernhard Ratermann „seiner“ Orgel Flöten-, Oboen- und sogar Trompetentöne entlockte, staunten die Vier- bis Sechsjährigen und mussten zugeben: „Nein, das kann Swetlanas Klavier nicht.“ Und natürlich besitzt das Klavier der Erzieherin keinen Motor, kein Gebläse und kein Windwerk. Dass die Luft für die Orgel so wichtig ist wie das Atmen für den Menschen, demonstrierte der Kantor auf kindgerechte Art. Ratermann stimmte das Lied „Wir feiern heute ein Fest“ an und verstummte mitten im Text. Nicht, weil er den Text vergessen oder beim Singen die Augen geschlossen hatte, wie zwei kleine Jungen meinten, sondern weil ihm die Luft ausgegangen war. Luft, erklärte Ratermann den Kindern, bräuchten auch die Orgelpfeifen, um Töne erzeugen zu können. Und diese Luft produziere ein Motor. Diese Erklärung fand Louis ganz schlüssig: „Die Orgel muss nicht atmen, weil sie kein Mensch ist.“

Wie es sich anfühlt, wenn Orgelpfeifen „atmen“, erfuhren die Kinder, indem sie der Reihe nach ihre Hände vor die Kernspalten einer Pfeife hielten. Schwerstarbeit für die Erzieherinnen Barbara Schulte und Melanie Maßmann, die die beiden Kindergartengruppen gemeinsam mit Anja Spittler-Frielingsdorf begleiteten. Jedes Kind musste hochgehoben werden. Mucksmäuschen­still wurde es auf der Orgelempore, als Bernhard Ratermann den Motor der Orgel abschaltete und die Pfeifen leise „röcheln“ ließ.

So etwas kann Swetlanas Klavier natürlich nicht. Und es ist auch nicht begehbar. Anders die Orgel. Durch eine schmale Tür schoben sich Kinder und Erzieherinnen zu einer ganz besonderen „Backstage-Tour“ in das Innere des Instrumentes und staunten über die Dimensionen der Pfeifen. Die kleinste sei so klein wie ein Kugelschreiber, die größte messe mehr als fünf Meter, erläuterte Ratermann.

Die Erzieherinnen erwiesen sich als experimentierfreudig und legten sich – quasi als lebender Zollstock – bereitwillig auf den Boden, um zu veranschaulichen, wie lang fünf Meter sind. Großen Spaß hatten die Kinder, als der Organist ein regelrechtes Blasorchester erklingen ließ und zeigte, wie mit Hilfe des Schwellkastens die Lautstärke der Pfeifen gesteuert werden kann.

Mit der Orgelführung für Kinder hatte Ratermann eine Anregung Ulrich Grimpes, Referent für Kirchenmusik und Orgelsachverständiger im Bistum Münster, aufgenommen. Dieser hatte vorgeschlagen, anlässlich des Orgeltages, der seit 2011 immer am zweiten Sonntag im September bundesweit stattfindet, Kindern die Orgel zu zeigen, um ihnen auf diese Weise das Instrument näher zu bringen. „Ich bin dankbar für diesen fixen Termin“, sagt Ratermann, der sich vorstellen kann, auch im nächsten Jahr wieder eine Orgelführung für Kinder anzubieten. Vorstellbar sei auch ein Orgel-Konzert für Kinder im Grundschulalter.