Hagemann: Seelsorge ist Beziehungsarbeit

Warendorf (gl) - Für Ulrich Hagemann bedeutet Seelsorge Beziehungsarbeit. Wozu er die nächste Zeit nutzen will, steht für ihn darum fest: „Erstmal die Menschen kennenlernen und herausfinden, mit wem ich es zu tun habe“, sagt der 36-Jährige, seit Dienstag Pastoralreferent in St. Laurentius.

Ulrich Hagemann, neuer Pastoralreferent in St. Laurentius, möchte für die Menschen ansprechbar sein. Bild: Ladermann

Die Erkenntnis, dass Pastoralreferent der richtige Beruf für ihn ist, gewann er erst nach einigen Zwischenstationen. „Das war ein Prozess“, blickt er zurück. Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst beim Arbeiter-Samariter-Bund, dann studierte er Deutsch, Religion und Italienisch.

In der Freizeit stand das kirchliche Engagement im Mittelpunkt: „Tage religiöser Orientierung zu begleiten, mich in der Firmvorbereitung zu engagieren, eine Fahrt mit Jugendlichen zum Weltjugendtag nach Australien zu organisieren – das hat mir sehr viel Freude gemacht“, erzählt Hagemann. Immer wieder habe ihn in dieser Zeit die Frage beschäftigt, ob er zum Priester berufen sei. Dem ging er einige Monate in einem Kloster nach – „ohne Internet, Handy, Fernsehen und Zeitung, mit viel Zeit für Gebet und die tägliche Eucharistie“.

Zurück in Münster, entschied er sich dagegen und konzentrierte sich auf das Theologiestudium. „Langsam reifte in mir die Idee, Pastoralreferent zu werden“, erinnert er sich. 2014 schloss Hagemann sein Studium ab und begann die Assistenzzeit in Recklinghausen. „Das Berufsbild des Pastoralreferenten deckt sich mit dem, wofür mein Herz schlägt“, betont er, „mit dem, was ich kann, was mir wichtig ist.“

Er freut sich auf das, was ihn in Warendorf erwartet. „Ich singe gerne mit Kindern im Kindergarten, diskutiere mit Jugendlichen in der Firmvorbereitung, aber begleite genauso gerne Senioren und höre ihnen zu.“ Als ausgebildeter Kirchenmusiker liegt ihm besonders der musikalische Aspekt am Herzen: „Ich möchte versuchen, das in der Seelsorge einzusetzen, denn Musik kann auch dort wirken, wo Worte nicht hinkommen“, sagt er.

Für Hagemann gehört der Kontakt mit Menschen, die keinen Bezug mehr zur Kirche haben, auch zu seinem künftigen Aufgabengebiet. „Für mich heißt Seelsorge, mit einem ehrlichen, absichtslosen Interesse auf Menschen zuzugehen, für sie einzustehen und ansprechbar zu sein“, erklärt er. Hagemann weiß, dass „in einer Zeit, in der Kirche an gesamtgesellschaftlicher Bedeutung verliert“, neue Herausforderungen auf ihn warten.

Doch entmutigen lassen möchte er sich dadurch nicht. „Wenn Menschen ‚nur’ an Wendepunkten des Lebens den Kontakt zu Kirche suchen, ist das okay. Aber dann will ich da sein.“