Marienkantorei

Die Marienkantorei Warendorf wurde 1892 als Kirchenchor gegründet und feiert somit 2017 ihr 125jähriges Bestehen. Zurzeit hat der Chor 75 aktive Mitglieder. Das Repertoire reicht von Barockkomponisten über die Klassiker und Romantiker bis hin zu modernen und zeitgenössischen Musikern. Damit können sehr unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden.

Wenn auch nicht jeder Sonntagsgottesdienst musikalisch mitgestaltet wird, so kommt der Chor dennoch regelmäßig zum Einsatz: beim Wechsel vom alten ins neue Kirchenjahr, beim Cäcilienfest, am 2. Weihnachtstag, Gründonnerstag, Ostern und das Fest Mariä Himmelfahrt sind die fixen Daten im Jahreszyklus.

Darüber hinaus wird zu bestimmten Anlässen und punktuell die Kooperation mit den anderen Kirchenchören der Gemeinde gesucht, wobei das gemeinsame Gestalten in den Vordergrund gerückt wird. Hier ist es unser Anliegen, das Mögliche dazu beizutragen, damit die drei Gemeindeteile zusammenwachsen, ohne dass dabei die Eigenständigkeit der verschiedenen Chöre und deren unterschiedliche musikalische Ausrichtung verloren geht.

In den vergangenen Jahren wurde auch mit anderen Chören, so z. B. mit dem Mädchenchor Marienfeld oder dem Männergesangverein „Lyra“ sowie mit verschiedenen Instrumentalensembles zusammengearbeitet, was neue reizvolle Perspektiven und Möglichkeiten eröffnete. In regelmäßigen Abständen werden auch größere und anspruchsvollere Werke einstudiert und in Konzerten dem Publikum zugänglich gemacht. Das Weihnachtsoratorium von J. S. Bach, Requiem von Gabriel Fauré, Magnificat von Martin Palmeri, Christvesper von Rudolf Mauersberger - das sind einige der Werke, die in den letzten Jahren von der Marienkantorei präsentiert wurden. Im Jubiläumsjahr 2017 ist geplant, die „Petite messe solenelle“ von Rossini aufzuführen. 

Die Gesamtleitung liegt seit 2014 bei Claudia Lawong, Die Proben werden jeden Dienstag von 20.00 bis 22.00 Uhr im Pfarrheim St. Marien, Warendorf durchgeführt. Interessenten sind jederzeit herzlich willkommen! Bleibt noch zu ergänzen: natürlich wird neben der Musik auch das Gesellige gepflegt, sei es bei Chorwochenenden, bei Ausflügen, beim alljährlichen Cäcilienfest, beim Saison-Abschlussgrillen im Sommer oder auch in den Pausen an den Probenabenden. Wie drückte es Pfarrer Lenfers einmal so treffend aus: „Kanzel und Theke stehen seit jeher dicht beieinander!"...

 

 

Revolutionäres in der Marienkirche

Die „Kölner Kantorei“ gastiert am 24. September in Warendorf

Am Sonntag, den 24. September wird die Kölner Kantorei unter der Leitung von Georg Hage um 17:00 Uhr in der Marienkirche in Warendorf konzertieren. Das Repertoire dieses Chores umfasst vielfältige anspruchsvolle A-cappella-Literatur sowie oratorische Werke vom Barock bis in die Gegenwart. Zum Markenzeichen der letzten Jahre wurden inhaltlich verknüpfte Programme wie „Lux Aeterna – das Himmlische in der Musik des 20. Jahrhunderts“, „Vom Aufschrei zum Dank – Psalmen in altem und neuem Gewand“ oder zuletzt „Shakespeare in Song“. Über 600 Konzerte und Gastspiele führten den preisgekrönten Chor in die verschiedenen Regionen Deutschlands, in etliche europäische Länder, nach Russland, Israel, in die USA – und nun also auch nach Warendorf. Die Kölner Kantorei, deren Mitglieder – qualifizierte Laien und ausgebildete Musiker/innen – jeweils zu projektbezogenen Arbeitsphasen zusammenkommen, nahm mehrfach erfolgreich an internationalen Chorwettbewerben teil.

Das Konzert am 24.09. in der Marienkirche steht unter dem Motto: „Und mein Geist freuet sich – das Magnificat als revolutionärer Lobgesang“. Marias berühmter Lobgesang kündet vor allem von der Umwertung aller irdischen Werte und ist nicht nur ursächlich für die katholische Marienfrömmigkeit; auch der Reformator Martin Luther hat Marias Haltung bemerkenswerterweise zum höchsten Vorbild für ein Handeln in politischer Verantwortung erhoben. Im Jahr des Reformationsjubiläums schlägt das Programm einen Bogen über stilistische und konfessionelle Grenzen hinweg. Beginnend in der Zeit des frühen Protestantismus kommen Marienvertonungen u. a. von Claudio Monteverdi und Andreas Hammerschmidt zur Aufführung, die das Marienlob eindrücklich zur Geltung bringen. Aus unserer Zeit sind die Magnificat-Kompositionen des Norwegers Knut Nystedt, der Amerikanerin Jean Belmont sowie des deutschen Komponisten Wolfram Buchenberg geplant, die die Facetten des Magnificats mit den kompositorischen Mitteln unserer Zeit herausstellen. Sämtliche Magnificat-Vertonungen erklingen im Dialog mit einer der prominentesten und anspruchsvollsten Vokalmessen des 19. Jahrhunderts, mit der der Komponist vom damaligen Papst Leo XIII. mit dem Gregorius-Orden ausgezeichnet wurde: der doppelchörige „Cantus missae“ des deutschen Komponisten Josef Gabriel Rheinberger.

Karten für das Konzert sind im Vorverkauf im Musikhaus Hoffmann, Restkarten an der Abendkasse zu erwerben. Die Plätze im Mittelschiff und in den Seitenschiffen der Marienkirche sind nummeriert.

Choristen sind hart arbeitende Bevölkerung!

Die Mitglieder der Marienkantorei Warendorf waren am vergangenen Wochenende zu einem Probenwochenende eingeladen worden. Im Mittelpunkt der intensiven Probenarbeit stand die „Petite messe solennelle“ von Gioachino Rossini und damit ein Werk, das –so die Chorleiterin Claudia Lawong- im Hinblick auf Differenziertheit und Schwierigkeitsgrad mancher Passagen durchaus zu der anspruchsvollen Chorliteratur gehöre. Kein Wunder, dass bei einem solch schwierigen Unterfangen über 60 Sängerinnen und Sänger dem Aufruf Folge leisteten. Denn auch wenn die Aufführung erst anlässlich des 125jährigen Bestehens des Chores für das Festkonzert am 5. November 2017 vorgesehen ist, so galt es doch, beizeiten einen soliden Grundstein zu legen.

Durch die Unterbringung im „Heinrich Lübke Haus“, einem Gästehaus der KAB konnten sich alle voll auf die Probenarbeit konzentrieren; Unterbringung, Verpflegung, … alles war geregelt. Ergänzt wurde das Angebot durch die Möglichkeit, sich beim Spaziergang an der frischen Luft zur Möhnetalsperre, bei Yoga und beim abendlichen Austausch in geselligem Kreis zu erfrischen und neue Kraft zu tanken. Dank der zusätzlichen Unterstützung durch den Kirchenmusiker Daniel Tappe konnten die Frauen- und Männerstimmen gesondert und zeitlich parallel üben, was zeitökonomisch sehr vorteilhaft war. Der Vorabendgottesdienst am Samstagabend im romanischen Dom St. Patrokli zu Soest wurde –Ehrensache!- von der Marienkantorei Warendorf musikalisch mitgestaltet. Am Ende des Wochenendes waren alle Teilnehmenden rechtschaffen müde, ahnten, was noch alles an Probenarbeit bevor steht und waren aber auch froh und zufrieden, eine erste Vorstellung von der komplexen Schönheit des Meisterwerkes von G. Rossini gewonnen zu haben.

Ärmel aufkrempeln für´s Jubiläumsjahr! - Jahreshauptversammlung der Marienkantorei Warendorf

Barbara Schulte begeisterte mit ihrem spannend vorgetragenen Jahresrückblick
Der „alte“ Vorstand ist geblieben. Hier fehlt nur der erste Vorsitzende Andreas Holtkämper, der grippebedingt nicht dabei sein konnte: Jutta Hülsmann, Claudia Lawong, Dr. Ulrich Reul, Doris Herbermann, Elke Bitting, Christiane Rosche, Josef Rutte, Barbara Schulte und Martin Meier (v.l.)

Wie in jedem Jahr, so wurde auch diesmal gleich zu Jahresbeginn die Jahreshauptversammlung der Marienkantorei Warendorf durchgeführt. Bei guter Anwesenheit –immerhin konnte die stellvertretende Vorsitzende Jutta Hülsmann, die im Übrigen die Veranstaltung locker und souverän leitete, von den nunmehr 75 Sängerinnen und Sängern 60 bei der Versammlung begrüßen.

Zunächst wurde ein Rückblick auf das vergangene Jahr geworfen. Barbara Schulte gestaltete als Schriftführerin der Kantorei ihren Bericht wieder einmal spannend und phantasievoll. Reich bebildert, mit Video- und Tonsequenzen gespickt und durch verschiedene Quiz-Einlagen attraktiv gemacht, stieß sie bei den Chormitgliedern auf waches Interesse und dankbare Resonanz. In den letzten 20 Jahren wurden, so die Schriftführerin, insgesamt 1360 Lieder geprobt und gesungen. Waren es im vergangenen Jahr insgesamt 48 neue und schon bekannte Lieder, die in 42 Proben einstudiert wurden und die bei 14 Auftritten zur Aufführung kamen, so blieben doch als besondere Höhepunkte die Christvesper von Rudolf Mauersberger, die Darbietung zum 90. Geburtstag von H. G. Winkler, die Gestaltung des Marienlobes zu Mariä Himmelfahrt, die Bachkantate, das gemeinsam mit der „Lyra“ realisierte Abschlusskonzert des Männergesangvereins und das Weihnachtssingen in besonders lebhafter Erinnerung.

Nach dem Rückblick auf Vergangenes, den Dankesworten der Chorleiterin Claudia Lawong für die gemeinsam geleistete Arbeit und den erfolgreichen (Wieder-)Wahlen in den Vereinsvorstand übernahm die Chorleiterin das Wort und informierte über das 2017 bevorstehende Programm. Und das hat es in sich –feiert die Marienkantorei doch in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Neben den obligatorischen Terminen z. B. zu Gründonnerstag, Ostermontag, Mariä Himmelfahrt, Cäcilienfest und Weihnachten sind weitere besondere musikalische Höhepunkte geplant. So wird am Sonntag, 14. Mai um 10.00 Uhr mit einer Festmesse in St. Marien der Reigen der Veranstaltungen anlässlich des Chorjubiläums eröffnet. Die hierfür vorgesehenen Chorstücke, unterstützt durch ein Bläserensemble, sollen einen Bogen über die Jahre seit der Gründung schlagen. Um 11.00 Uhr ist ein offizieller Empfang im Pfarrheim vorgesehen. Zum Jubiläum komponierte der zeitgenössische Kirchenmusiker Jan Szopinski eigens eine „Missa cum jubilo“, die im September in Kalkar gemeinsam mit dem dortigen Kirchenchor zur Aufführung gelangen wird. Ebenfalls im September, am 24.09.2017 wird die „Kölner Kantorei“ in St. Marien ein Konzert gestalten. Einen besonderen Höhepunkt wird das Festkonzert der Marienkantorei am 05. November darstellen, zu dem die „Petite messe solennelle“ von Gioachino Rossini in der Urfassung geboten wird. Hier soll vor allem der Chor im Vordergrund stehen und nicht etwa durch ein „fettes“ Symphonieorchester überdeckt werden. Und besonders hierfür gilt es fleißig zu proben. Wie appellierte Claudia Lawong abschließend an alle Choristinnen und Choristen: „Wir spucken in die Hände! – Auf ein neues Jahr!“

Marienkantorei will Warendorf als Kulturhauptstadt Europas - Einstimmiges Votum für eine Bewerbung <small>Text und Bilder: Dr. Ulrich Reul</small>

Im Rahmen des diesjährigen Cäcilienfestes, mit dem die Marienkantorei Warendorf traditionell das „musikalische Kirchenjahr“ beendet, platzte während der Ehrung für treue und langjährige Mitgliedschaft eine Gruppe Tippelbrüder als ungeladene Gäste in die Festgesellschaft hinein. Ihr anliegen war ein ganz außergewöhnliches: Die Tippelbrüder überraschten nämlich mit dem Vorschlag, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit Warendorf als „Kulturhauptstadt Europas“ zu nominieren. Um diesen Anspruch zu untermauern, hatten sie eine bunte Zahl an kunstbeflissenen und kulturbegeisterten Menschen engagiert, die im Laufe des Abends beispielhaft aufzeigen konnten, welch reges kulturelles Treiben in Warendorf vorhanden ist.

Dass die Warendorfer Bürgerinnen und Bürger musikalisch sind und mit großem Können die Sangeskunst pflegen, darf als Gegebenheit genommen werden. Dass aber auch die bildenden Künste in Warendorf ihre Heimat haben, wurde beim Ratespiel „Montagsmaler“ deutlich: hier galt es, bei knapper Zeitvorgabe einzelne Begriffe zeichnerisch darzustellen und durch die Zuschauer erraten zu lassen. Das Volk der Denker und Dichter ist beileibe noch nicht ausgestorben. Gerade in der „Stadt des Pferdes“ fühlen sie sich wohl und erhalten die notwendigen Inspirationen, wie beim Vortrag lyrischer Werke eindrucksvoll belegt werden konnte. Die Schauspielkunst hat hier ebenfalls viele Freunde und Gönner und konnte zu großer Perfektion entwickelt werden. Diese Behauptung wurde von einer Laien-Schauspielgruppe eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das Lustspiel „Ein Klavier, ein Klavier!“ von Loriot, dem Altmeister deutschen Humors hätte vom Autor des Werkes selbst nicht besser dargeboten werden können. Höhepunkt und Schlussakkord der kulturellen Darbietungen wurde durch die Ballettaufführung des „Schwanensees“ von Peter Tschaikowsky gesetzt: Welch graziles, harmonisches und artistisches Meisterwerk bot das Männerensemble vom Bass und Tenor voller Eleganz und Leidenschaft dem ergriffen staunenden Publikum!

Nach all dem Gebotenen konnte die Frage, welche Stadt als Kandidatin für die nächste Wahl zur europäischen Kulturhauptstadt besser geeignet sei als Warendorf eindeutig beantwortet werden: der von den Tippelbrüdern gemachte Vorstoß wurde von der Festgesellschaft als Spiegelbild der Warendorfer Bürgerschaft einmütig und begeistert befürwortet. Nun gilt es nur noch, diese Idee umzusetzen!

Vom platten Land in die große Stadt - Marienkantorei Warendorf besucht Essen <small>Text und Bilder: Dr. Ulrich Reul</small>

noch drehen sich die Förderräder der Zeche Zollverein
2018 wird die Kohleförderung eingestellt, die Schutzhelme endgültig „an den Nagel“ gehängt
Sängerinnen und Sänger der Marienkantorei Warendorf vor der „Villa Hügel“
Ludgerus-Schrein in Essen-Werden

Reisen bildet und verbindet Menschen. In diesem Jahr statteten die Mitglieder der Marienkantorei Warendorf Essen, der europäischen Kulturhauptstadt 2010 einen Besuch ab. Auch wenn es nur eine Tagestour war, so konnten doch viele Facetten der Ruhrmetropole erfahren werden. Bei bestem Wetter konnte ein exzellent geplantes und organisiertes Programm mit Besichtigungen, vielen detaillierten Informationen, ganz unterschiedlichen Eindrücken und auch Zeit zur Muße genossen werden.  

Die Zeche Zollverein, heute Unesco-Weltkulturerbe und damals die weltweit modernste Kohlenförderanlage wurde als erstes angesteuert. Der Schacht XII wurde in den 1930er Jahren fertiggestellt, galt jahrzehntelang als maßgebend für derartige Industrieanlagen und war damals mit der täglichen Fördermenge von 12.000 Nettotonnen Steinkohle die leistungsfähigste Zeche überhaupt. Die aus Stahlträgern und Klinkern errichteten oberirdischen Gebäude sind reine Zweckbauten und Beispiele nüchterner Industriearchitektur. Die vom Bauhausstil beeinflusste Architektur war allerdings nicht auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet, sondern diente allein dem möglichst effizienten und gewinnbringenden Abbau und Transport der Kohle. Arbeitsunfälle gehörten mit zum Arbeitsalltag der Bergleute. Erst ab den 1960er Jahren gewann der Arbeitsschutz Priorität. Auch wenn die Kohleförderung im Jahre 2018 endgültig beendet wird, so muss noch bis in „alle Ewigkeit“ Nachsorge betrieben werden: das Grubenwasser muss auch zukünftig über die Emscher in den Rhein gepumpt und ein „Absaufen“ der gesamten Region wegen der Absenkungen verhindert werden. Diese „Ewigkeitskosten“ belaufen sich für den Steuerzahler auf jährlich geschätzte 200 Millionen Euro. Der auf dem Fabrikgelände in den letzten Jahren entstandene Birkenwald, beschönigend als „postindustrielle Spontanvegetation“ bezeichnet, wirft ein bezeichnendes Licht auf die gravierende Veränderung bei der Nutzung des Geländes, trägt aber auch zum heutigen grünen Erscheinungsbild der Stadt Essen bei.

Die schwüle Hitze dämpfte nicht den Appetit der Mitglieder der Reisegruppe. Auch dem hatten die Organisatoren Rechnung getragen. Das Mittagessen wurde in der „Kluse“ gereicht, einer Speisegaststätte in unmittelbarere Nachbarschaft eines Kirchleins, dessen Anfänge bis in die Zeit vor 1300 reichen. Kaffee und Kuchen gab es am Nachmittag in den „Südtiroler Stuben“ am Baldeneysee, dessen kühlendes Wasser den Chormitgliedern die heiß gelaufenen Füße zu regenerieren half.

Der Besuch der „Villa Hügel“ bildete die nächste Etappe auf der Reise. Inmitten eines großflächigen Areals –Alfred Krupp wollte verhindern, dass ihm die Nachbarn über den Zaun auf den Frühstückstisch schauten- wurde 1870 bis 1873 das gewaltige Anwesen erbaut. 269 Räume und etwa 8.100 qm Wohn- und Nutzfläche schienen dem „ersten Industriellen im Reich“ seinen Bedürfnissen durchaus angemessen zu sein. Das nötige Kleingeld hatte Krupp, der Erfinder des nahtlosen Radreifens für die Eisenbahn, insbesondere mit der Produktion und dem Verkauf von Rüstungsgütern erworben. Das Wohnhaus, aus Stahl errichtet und mit Kalkstein lediglich verblendet, erinnert in seiner Monumentalität an ein Barockschloss, das Wohnzimmer der Familie in Dimensionen, Konstruktion und ursprünglicher Ausstattung an eine Bahnhofshalle. Heute wird der Raum als Konzertsaal genutzt. Die heutige Ausstattung wurde nicht vom Bauherrn, sondern von späteren Generationen zusammengetragen: wertvolle Tapisserien, hölzerne Kassettendecken, Eichenvertäfelung, großformatige Ölbilder und kostbare Einrichtungsgegenstände stammen aus sehr unterschiedlichen Zeitepochen und Kulturkreisen. So wurde entgegen den ursprünglichen Vorstellungen des Firmenpatriarchen aus einem eher nüchternen Zeugnis der Industriearchitektur ein schlossähnliches Gebäude. Das soziale Gewissen der Familie Krupp wurde durch Margarethe Krupp verkörpert. Als Alleinerbin des Firmenimperiums und Gründerin der „Margarethe Krupp Stiftung“ ließ sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit der „Margarethenhöhe“ eine hinsichtlich der Wohnverhältnisse, der hygienischen Bedingungen, der Infrastruktur und der gärtnerischen Gestaltung vorbildliche Wohnsiedlung für bedürftige Bergarbeiterfamilien erbauen. Heute ist die Siedlung eine bevorzugte Wohngegend in Essens grünem Süden, die schmucken Häuschen bei Mietern heiß begehrt.

Den würdigen Abschluss des Ausfluges der Marienkantorei nach Essen bildete der Besuch der Basilika St. Ludgerus in Essen-Werden. Liudger, der erste Bischof von Münster, war der Gründer des Klosters Werden und erbaute auch die spätromanische Kirche. Hier wurde er auf eigenen Wunsch hin, nachdem er auf einer Missionsreise am 26.März 809 in Billerbeck verstorben war, am 28. April 809 bestattet. Selbstverständlich wurden in der alt-ehrwürdigen Kirche einige mehrstimmige Chorsätze angestimmt –wen wundert das, wenn ein Chor auf Reisen geht und eine Kirche mit hervorragender Akustik besucht?

Grillen statt Singen <small>Autor: Dr. Ulrich Reul (Text und Bilder)</small>

Es ist mittlerweile lieb gewonnene Praxis bei der Marienkantorei Warendorf, dass am letzten Dienstag vor Beginn der Sommerferien die Chorprobe entfällt und durch das gesellige miteinander aller Choristinnen und Choristen ersetzt wird. So auch in diesem Jahr: eine kleine, aber feine Kerngruppe Unentwegter traf sich bereits um 18.30 Uhr zu einer Radtour in die Umgebung von Warendorf. Ganz nach dem Motto „Bewegung, Sonne und frische Luft haben noch keinem geschadet!“ Eine Stunde später war das Ziel erreicht: der Pfarrsaal an der Marienkirche. Hier waren zwischenzeitlich fleißige Hände tätig gewesen und hatten die Vorbereitungen für den Abend getroffen. Tische, Stühle waren aufgebaut, der Grill erhitzt, die Getränke gekühlt und in der benötigten Menge bereitgestellt. Bei den Salaten hatten sich Chormitglieder ins Zeug gelegt und ihre jeweiligen Erfolgsrezepte umgesetzt zu einem wunderbaren Gesamtangebot. Chorleiterin Claudia Lawong dankte hierfür und auch für die engagierte Chorarbeit in den vergangenen Monaten. Und dann ließen es sich die etwa 50 Sängerinnen und Sänger bei Grillwurst, Salaten, Bier, Wasser und Wein gut gehen und nutzten den ausnahmsweise probenfreien Dienstagabend für viele und entspannte Gesprächskontakte.

Die Engländer bleiben drin! <small>Text: Dr. Ulrich Reul | Bilder: Barbara Schulte</small>

Die Sängerinnen und Sänger der Marienkantorei Warendorf bereiten sich intensiv auf das Fest „Mariä Himmelfahrt“ im August vor.

Nach dem tragischen Ausscheiden der englischen Fußballmannschaft aus der EM und der knappen, aber klaren Mehrheitsentscheidung der britischen Wähler für den „Brexit“ wird auch hierzulande aller Orten über die Folgen dieser Entwicklung spekuliert und diskutiert. Für die Marienkantorei Warendorf steht jedenfalls eines fest: die englischen Komponisten werden nicht aus dem musikalischen Repertoire des Chores verbannt! Im Gegenteil: nun ist es wichtiger denn je, dass Brücken und enge Klammern zwischen Kontinent und Insel bestehen bleiben.

So stammen die meisten der für das Marienlob im Rahmen des Hochfestes Mariä Himmelfahrt vorgesehenen Stücke aus der Feder englischer Komponisten -fast alles moderne Werke zeitgenössischer Musiker.  John Rutter komponierte im Jahr 2011 das Stück: „This ist the day“, das berühmte, ursprünglich von Bach/Gounod geschaffene „Ave Maria“ wurde  von Colin Mawby neu arrangiert. Alan Wilson steuert ein „Magnificat“ bei und John Stainer ist der Schöpfer des Chorstücks „God so loved the world“. Alle Beiträge zum Marienlob sind harmonisch, melodisch ansprechend und musikalisch interessant.

Termin und Ort für das Marienlob Konzert stehen bereits fest: Samstag, 20. August 2016, 21.00 Uhr in der Marienkirche. Der Eintritt ist selbstverständlich frei.

Hans Günther Winkler Gast bei der Marienkantorei Warendorf <small>Text und Bilder: Dr. Ulrich Reul</small>

Hans Günther Winkler war interessierter und dankbarer Gast bei der Chorprobe der Marienkantorei Warendorf

Bedeutende Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am 24. Juli feiert Hans Günther Winkler seinen 90. Geburtstag. Neben vielen anderen vorgesehenen Ehrungen ist auch geplant, dass ihm die Marienkantorei Warendorf unter freiem Himmel ein Ständchen bringt. Welches Musikstück es sein wird – das soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden. Soviel sei aber gesagt: obwohl der Geburtstag in die großen Ferien und damit in die Haupturlaubszeit fällt, haben in allen Stimmen genügend Sängerinnen und Sänger ihr Mitwirken zugesagt, so dass ein wirkungsvoller und stimmlich ausgewogener Chor gebildet werden kann.

Bei der Chorprobe am 28.06.2016 ließ es sich der rüstige Ehrenbürger der Stadt Warendorf nicht nehmen, persönlich zugegen zu sein und sich einen Eindruck von dem vorgesehenen Musikstück zu verschaffen. Und damit nicht genug! Er nahm die freundliche Einladung an und war während der gesamten Chorprobe, der letzten vor der Sommerpause, Gast. Offensichtlich bereitete ihm der Gesang großes Behagen, denn nach der Probe  dankte er sehr herzlich den Choristen und der Chorleiterin Claudia Lawong: „Ich war tief beeindruckt und die Musik hat mir sehr viel Freude gemacht!“ So gab Hans Günther Winkler „grünes Licht“ für das Vorhaben im Juli. Nun denn, dann wird es ja wohl was werden! Übrigens: die Sängerinnen und Sänger konnten den Gast nicht dazu überreden, Chormitglied zu werden um die Marienkantorei stimmlich zu unterstützen.

 

 

Marienkantorei Warendorf - schöne Aussichten!

Die Sängerinnen und Sänger der Marienkantorei
Jan Szopinski

Bei der Jahreshauptversammlung der Marienkantorei Warendorf am 19.01.2016 ließ der Rückblick auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres noch einmal eine Fülle musikalischer Ereignisse präsent werden. Dabei markierten die „Bachkantate zum Mitsingen“, das gemeinsam mit allen Warendorfer Kirchenchören im Herbst veranstaltete Solidaritätskonzert zugunsten der Flüchtlinge und die „Christvesper“ von Rudolf Mauersberger die musikalischen Höhepunkte. Auch der gesellige Teil kam mit dem Saisonabschluss-Grillen, dem Chorwochenende in Lage und dem Cäcilienfest nicht zu kurz und bereicherte und verstärkte das Miteinander. Die Chorleiterin Claudia Lawong dankte noch einmal sehr herzlich für das gemeinsam Erlebte und das außergewöhnliche Engagement. Der gute Zulauf von neuen Chormitgliedern zeige, dass gute Musik gleichzeitig eine erfolgreiche Werbung bedeuten könne.

Im zweiten Teil wurde den Chormitgliedern schon einmal Appetit gemacht für die in diesem Jahr angepeilten Aktivitäten. Dabei präsentiert sich die Marienkantorei von einer neuen und eher ungewohnten Seite. Es kommen in diesem Jahr vornehmlich moderne Werke zeitgenössischer Komponisten zur Aufführung. So wurde die Liturgie am Gründonnerstagsabend mit eher unbekannten Stücken musikalisch gestaltet. Am Ostermontag wurde im Festgottesdienst in St. Marien mit der „Missa brevis“ von  Jan Szopinski ein modernes, eingängiges Stück voller Rhythmik  intoniert und fand im vollbesetzten Kirchenraum bei den Gläubigen begeisterte Aufnahme. Mitwirkende waren neben der Marienkantorei unter der Leitung von Claudia Lawong, die beiden Saxophonisten Ansgar Elsner und Lars Bitting und Alina Brzozowski am E-Piano. Den Sopransolo-Part übernahm Anna Naechster aus Detmold.

Zum Fest Fronleichnam wird ein Projektchor aus Mitgliedern aller Chöre der Gemeinde unter der Leitung von Claudia Lawong gefordert sein. Gleichzeitig wird eine Band, bestehend aus E-piano, E-Bass, E-Gitarre und Schlagzeug zum Einsatz kommen und mit den Sängerinnen und Sängern ein harmonisches Ganzes ergeben. Am 20. August, zur Feier des Hochfestes der Aufnahme Mariens in den Himmel wird die Marienkantorei den Festgottesdienst und das Marienlob musikalisch gestalten. Dabei ist unter anderem geplant, die „Missa brevis“ von Jan Szopinski ein weiteres Mal zu Gehör zu bringen. Vom 23.bis 25. September ist ein Probenwochenende geplant, bei dem wieder eine „Bachkantate zum Mitsingen“ einstudiert wird. Zur Abrundung und als Höhepunkt einer intensiven Probenarbeit am Freitagabend und Samstag wird der Sonntagsgottesdienst um 10.00 Uhr in der Marienkirche mit der Kantate BWV 124 „Meinen Jesum lass ich nicht“ bereichert werden. Hierbei wird das Glaubenszeugnis nicht in der üblichen Form einer Predigt, sondern durch die Musik gegeben. Bereits 2015 war die Resonanz bei den Gläubigen durchweg positiv.

Am 06. November ist ein gemeinsames Konzert mit dem Männergesangverein „Lyra“ geplant, der in diesem Jahr sein 185-jähriges Bestehen begeht und zur Feier dieses Jubiläums einen Partnerchor einlädt. Und dann steht Weihnachten wieder dicht vor der Tür…

Für die Geselligkeit und die Stärkung der Chorgemeinschaft auch außerhalb der Proben und musikalischen Einsätze ist natürlich auch in diesem Jahr wieder genug Raum vorgesehen. So wird es zum „Saisonabschluss“ unmittelbar vor der Sommerpause eine Pättkestour geben. Ein eintägiger Chorausflug mit spannendem und abwechslungsreichem Programm ist ebenfalls in Planung, wobei an dieser Stelle noch keine Details verraten werden. Schließlich wird das Cäcilienfest am 26. November gebührend gefeiert werden und damit das Ende des kirchenmusikalischen jahres markieren.

Marienkantorei im Zeichen der olympischen Ringe

 

Auch wenn das Ereignis außerhalb des üblichen Turnus war- beim Caecilienfest durften Mitglieder und Gäste der Marienkantorei Warendorf an den Olympischen Spielen teilnehmen! Dieses glanzvolle Großevent, organisiert von den Sängerinnen im Alt, markierte einen der sportlichen Höhepunkte des vergangenen Jahres in Warendorf.

Nach der feierlichen Eröffnungsveranstaltung war die Geschicklichkeit der Olympioniken gefragt bei ihrem mühsamen Versuch, einen Keks von der Stirn durch Grimassenschneiden irgendwie an der Nase vorbei in den Mund zu befördern. Es fanden sich genug Freiwillige, die sich nicht zu schade waren, „den „Aff´ zu machen“.  Wie wurde da gekämpft! Ganz zielorientiert, die sich zwangsläufig ergebenden dümmlichen Gesichtsausdrucke in Kauf nehmend und das Hohngelächter der Zuschauer ignorierend, wurden blöde Gesichter gemacht. Josef Rutte vom Bass war unangefochten der Beste!

Sodann stand ein spannungsreiches Bobby-Car-Rennen auf dem olympischen Programm. Nach überzeugendem Start und einem zunächst mühsam vom Männerteam erkämpften leichten Vorsprung wurde dieser Vorteil leichtfertig verspielt. So machte das Frauenteam beharrlich Boden wett, zog mit den Männern gleich, überholte diese und fuhr in einem furiosen Endspurt einen überzeugenden Sieg ein. Das hätte zu Beginn des Rennens niemand für möglich gehalten. Sei´s d´rum: den Besten gebührt der Lorbeer!

Völlig andere Qualitäten waren beim „Musik-Memory“ gefragt. Hier galt es, auf dem „Kakerlakophon“, bestehend aus einem Dutzend Stofftierchen, diesen durch leichten Schlag auf den Kopf Töne und Textfragmente zu entlocken. Diese komplexe Aufgabe erforderte neben musikalischem Sachverstand ein hohes Maß an Konzentration und stellte das Erinnerungsvermögen der Kämpfenden auf eine harte Probe. Erst nach richtiger Zuordnung ergaben die Einzelteile: „New York“, „niemals“, „Hawai“ und „ich war“ einen Sinn und ließen ein bekannten Song erkennen

Krönender Abschluss und gleichzeitig optischer Höhepunkt der Olympiade war das Synchronschwimmen der Badenixen vom Alt. Sie führten in perfekt einstudierter Choreographie ein Wasserballett auf, das von hohem sportlichen können und von ästhetischem Wert war. Zwar völlig erschöpft von den körperlichen Anstrengungen zwang der tosende Applaus die Sportlerinnen dazu, als Zugabe den Beitrag komplett zu wiederholen. Das Edelmetall war redlich verdient!

Als Resumée kann festgehalten werden:

  • die mit dem goldenen Lorbeerkranz Geehrten waren wirklich jeweils die Besten
  • die Spiele waren spannend, wahrhaft heiter und verbanden nicht nur die Völker, sondern auch die einzelnen Stimmen im Chor
  • Olympia war –völlig ungewohnt- völlig frei von jeder Bestechung und Korruption!

Bei allem sportlichen Geschehen wurde nicht vergessen, die Jubilarinnen und Jubilare mit Rosen zu ehren und die Neumitglieder im Chor ebenfalls mit Blumen willkommen zu heißen.

Christvesper in St. Laurentius - Großartige Gesamtleistung

In Dresden ist sie Kult: Die Aufführung der Christvesper von Rudolf Mauersberger (1889-1971) am Heiligabend in der Kreuzkirche. Hierzulande ist dieses einzigartige kirchenmusikalische Meisterwerk des langjährigen Leiters des Dresdner Kreuzchores leider nur sehr selten zu hören. Umso lobenswerter, dass Claudia Lawong mit ihrer Marienkantorei dieses Werk sorgfältig einstudiert und zu Gehör gebracht hat. Zuerst wurde es am 20. Dezember in St. Marien, Warendorf, aufgeführt. Es folgte am 2. Januar des neuen Jahres eine Aufführung in der Abteikirche Marienfeld; schließlich ist der dortige Mädchenchor (Einstudierung Andreas Müller) an der Aufführung beteiligt. Und nun erklang sie noch einmal am Sonntag in Warendorf, diesmal in St. Laurentius, für den gleichfalls mitwirkenden Knabenchor von Bernhard Ratermann sozusagen ein „Heimspiel“, vor einer für die Warendorfer „Zweitaufführung“ wiederum erstaunlich großen Zuhörerschaft in der Laurentiuskirche.

Mauersberger hat neben biblischen Texten, alttestamentlichen Verheißungen und Teilen der Weihnachtsgeschichte nach Lukas, viele bekannte weihnachtliche Lieder in seiner Christvesper untergebracht. Dabei handelt es sich zu einem großen Teil um Bearbeitungen bekannter Choralsätze vor allem von Michael Praetorius, aber auch von Johann Sebastian Bach und anderen. Daneben stammt ein erheblicher Teil der Chorsätze ganz aus seiner eigenen Feder. Insgesamt ist die Christvesper eine besondere, festliche Form des evangelischen Gottesdienstes, in der die Gemeinde mit ihrem Gesang ganz wesentlich mit einbezogen ist. Dabei ist es für die Gemeinde natürlich ein besonderes Erlebnis, diese Lieder gemeinsam mit großem Chor und Orchesterbegleitung mitsingen zu dürfen. Bei der herrlichen Akustik der Laurentiuskirche war dies für die Besucher auf jeden Fall ein erhebendes Gefühl.

Gleich der erste Vortrag „Macht hoch die Tür“ war ein Höhepunkt der Aufführung. Hier gelang dem Hauptchor mit den wunderschönen Oberstimmen, begleitet von einem mit zwanzig Instrumentalisten reich bestückten, prächtig und souverän musizierenden Orchester mit Holz- und Blechbläsern, Harfe und Orgel, eine phänomenale Leistung, die bei manchem Zuhörer bestimmt für die berühmte „Gänsehaut“ sorgte, die man bekommt, wenn man etwas Überwältigendes erlebt.

Die Worte des Propheten Jesaja (Kap. 9), musikalisch von Mauersberger dem Text genau angepasst, wurden vom Chor präzise umgesetzt, unterstützt durch ein Orchester, das den schweren Schritt eines im Finstern wandelnden Volkes deutlich vernehmbar machte, aber auch das große Licht, das es dann zu sehen bekommt, zum Scheinen brachte. Eine perfekt gelungene Gesamtinterpretation dieses bedeutungsvollen Textes und seiner Vertonung.

Ebenso überzeugend interpretiert wurde „Alle Welt springe“ mit seinem Singen, Springen und Freudenschall. Die adäquate Anlehnung der Musik an den Text wurde auch an vielen anderen Stellen vom Chor konsequent umgesetzt, wie etwa bei „Er ist auf Erden kommen arm“: Zu „arm“ und „erbarm“ kontrastierte er überzeugend „Und in dem Himmel mache reich und seinen lieben Engeln gleich“.

Schön und sauber artikuliert sang der kleine Knabenchor unter anderem die Strophe „Lasset uns sehen“ von „Kommet, ihr Hirten“. Unter den Beiträgen des Marienfelder Mädchenchors bestach besonders die Liedstrophe „Das ewig Licht geht da herein“ durch eine beachtliche Reinheit der Stimmen, auch bei den hohen Tönen.

Auch der „kleine Chor“ sang sehr zart und fein das „Ehre sei Gott in der Höhe“. Bei dem traditionellen „Quempas“-Singen traten neben Sängerinnen des Mädchenchors auch Sänger des Knabenchors, in vier Gruppen im Kirchenraum verteilt, hervor. Mit ihrer angenehmen, intonationssicheren Stimme beeindruckte als Solistin mehrfach Alicia Borgstedt, eine Schülerin von Claudia Lawong aus Everswinkel.

Mit einem gewaltigen, erhebenden Gesang und vollem Orchesterklang, sozusagen „mit Pauken und Trompeten“, glänzten die Ausführenden bei „Jauchzet, ihr Himmel, frohlocket , ihr Engel, in Chören!“ Nach Gebet und Vaterunser schloss die Christvesper mit „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“. Hier durfte die Gemeinde wieder mitsingen. Und dann durfte sie endlich auch dankbar ihren Beifall bekunden für eine großartige Gesamtleistung.

Ausflug mit dem Fahrrad

Vor der Sommerpause trafen sich die Sänger und Sängerinnen der Marienkantorei bei herrlichstem Wetter zu einer Radtour. Ziel der von Petra Frese ausgearbeiteten Route war "Pastors Garten" an der Marienkirche.

Dort hatte Josef Rutte schon den Grill angeworfen und weitere Chormitglieder ein tolles "Mitbringbüffet" aufgebaut, so dass auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt war.

So fand das erste Halbjahr einen stimmungsvollen Ausklang - und nach den Sommerferien beginnt die "heiße" Probenphase für die drei Aufführungen der "Christvesper" von Rudolf Mauersberger.

„Bachkantate zum Mitsingen“ – mit Pauken und Trompeten ein voller Erfolg!

Orchestermusiker und Choristen ermöglichten ein eindrucksvolles Klangerlebnis
Die Mitwirkenden unmittelbar vor Beginn des Gottesdienstes
Stephan Hinssen (Tenor), Claudia Lawong (Sopran) und Kirsten Grotius (Alt) setzten als solisten wichtige musikalische Akzente
 

Das als Neuerung eingeführte Vorhaben „Bachkantate zum Mitsingen“ wurde am Sonntag, 19.04.2015 ein voller Erfolg. Nicht nur, dass die etwa 60 Sängerinnen und Sänger der Marienkantorei mit Feuereifer mitmachten. Zusätzlich beteiligten sich 16 „Externe“ und nahmen an den Proben und der Aufführung im Festgottesdienst in der Marienkirche teil. Und der Mut, sich auf Neues einzulassen, wurde belohnt: der Funke sprang über, die Freude am gemeinsamen Singen und an der musikalischer Mitgestaltung war ihnen deutlich anzumerken.

Besonders eindrucksvoll war es, schon bei der Generalprobe und erst recht bei der Aufführung mitzuerleben, wie sich der Chorgesang mit den Beiträgen der Solisten und mit der Instrumentalmusik zu einem großen klangvollen Gesamten verband. Heike Hermes, eine der Projektsängerinnen, brachte zum Ausdruck, dass ihre anfängliche Sorge, wegen der kurzen Probezeit der Aufgabe nicht gerecht werden zu können schnell verflogen sei, da sie sich von den „erfahrenen“ Choristen voll unterstützt sah und dadurch schnell eigene Sicherheit gewann. Und Inès Nünning, ebenfalls eine Projektsängerin, stellte fest: „Eigentlich wollten meine Mutter und ich ja nur mal hineinschnuppern. Das Singen hat uns aber so viel Freude gemacht, dass wir künftig regelmäßig mitsingen werden!“   

Dabei war die Aufführung der „Ratswahlkantate“ von Johann Sebastian Bach am Sonntag kein Konzert, sondern Teil des Gottesdienstes. Statt der Predigt wurde musiziert. Auch Pfarrer Peter Lenfers, der Zelebrant des Festgottesdienstes, ließ es sich nicht nehmen, als Projektsänger mitzuwirken und den Tenor nach Kräften zu unterstützen. Nur in einem Punkt unterschied er sich deutlich von allen anderen Sängern: er war der einzige Mitstreiter, der nicht wie die anderen in schwarz, sondern in weiß gekleidet war, weil er im priesterlichen Ornat an der Aufführung teilnahm.

Als Solisten überzeugten bei den Arien und den Rezitativen durch ausdrucksvolle und musikalisch überzeugende Beiträge Stephan Hinssen (Tenor), Kirsten Grotius (Alt) und Claudia Lawong (Sopran), die auch die Gesamtleitung innehatte. Die konzertierende Orgel, meisterlich gespielt von Oana Maria Bran und Jonas Schlepphorst und die Instrumentalisten ließen die Aufführung gemeinsam mit dem Chor zu einem „wohlgeordneten und harmonischen Getöse“, so die Dirigentin, werden.

Georg Potthoff, Phillip Seidel und Thomas Fenne begleiteten die Kantate festlich und strahlend mit ihren Trompeten. Einfühlsam übernahmen die Oboistinnen Svenja Beumers und Merisa Cekic den Part der Holzbläser. Im Streicherensemble harmonierten Maike Nüssing (1. Violine), Pia Stengel-Potthoff (2. Violine), Brigitte Bickert (Viola), Cornelia Runte Wolff (Cello) und Bruno Jakobfeuerborn (Kontrabass). Mit den Kesselpauken setzte Paul Potthoff die erforderlichen rhythmischen Akzente.

Insgesamt konnten alle Teilnehmer, die Musiker und die bei der Festmesse anwesenden Gottesdienstbesucher ein eindrucksvolles barockes Klangerlebnis und ein in Musik umgesetztes Glaubenszeugnis genießen. Die beteiligten Musiker und Choristen freuen sich auf eine Fortsetzung der Idee „Bachkantate zum Mitsingen“ im nächsten Jahr.

Text und Bilder: Dr. Ulrich Reul